
Bewusstsein, Unterbewusstsein, Unbewusstes
Bewusstsein
Wenn wir uns den Geist eines Menschen als eine Kugel vorstellen, vergleichbar der Erdkugel mit Ihren Polkappen, dann könnten wir die Zone vom Nordpol bis etwa zum 80. nördlichen Breitengrad als den Bereich des Bewusstseins betrachten. Hier befinden sich alle Gedanken und Fähigkeiten, die uns bewusst zugänglich und direkt steuerbar sind. Unser logisches Denken, unsere Fähigkeit zu entscheiden und unser Wille sind hier zu Haus. Dieses Bewusstsein dient gleichzeitig als Filter, der entscheidet, ob etwas in die anderen Bereiche vordringen darf oder nicht.
Unterbewusstsein
Im Bereich vom 80. nördlichen bis zum 60. südlichen Breitengrad befindet sich unser Unterbewusstsein, also das, was unterhalb des Bewusstseins liegt. In diesem Bereich sind Informationen, Erfahrungen, Eindrücke und Emotionen gespeichert, aus denen unser Glauben entsteht. Unser Glauben ist das Wissen, für das wir keinen Beweis brauchen. Es ist einfach vorhanden und bestimmt unsere Handlungen, aktuellen und künftigen Erfahrungen und Entscheidungen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.
Im Unterbewusstsein landen die Eindrücke, die unser Bewusstsein im Moment des Auftretens für wichtig hält. Je nach Anzahl der Wiederholungen werden diese mehr oder weniger fest im Unterbewusstsein verankert oder gelangen sogar bis ins Unbewusste hinab.
Alle in unserem Leben gesammelten Erfahrungen, gespeicherten Eindrücke, entwickelten Gewohnheiten und daraus resultierenden Verhaltensweisen sind im Unterbewusstsein abgelegt und sind ein Teil unserer Persönlichkeit.
Unbewusstes
Etwa vom 60. südlichen Breitengrad bis zum Südpol erstreckt sich das Unbewusste. Dies ist der Bereich der als "vegetativ" bezeichnet wird. Die lebenswichtigen Funktionen Verdauung, Atmung, Herzschlag und Immunsystem haben hier ihren Steuerungsmechanismus. Auch lebenserhaltende Reflexe, wie Flucht bei Gefahr oder Luft anhalten, wenn wir unter Wasser geraten, regelt das Unbewusste.
Dieser Bereich ist den meisten Menschen nicht direkt zugänglich, obwohl auch dies in einem gewissen Umfang erlernt werden kann. Über bewusste Steuerung von Frequenz und Rhythmus des Atems zum Beispiel können wir tiefe Entspannung oder höchste körperliche Anspannung erzeugen.
Wenn wir bestimmte Abläufe oft genug wiederholen, entsteht ein Reflex. Beispiele hierfür finden wir im Kampfsport zu Hauf, aber auch das Erreichen des meditativen Zustandes ist praktisch auf "Knopfdruck" möglich, sofern der Knopf geeignet ist und der Mechanismus oft genug eingeübt wurde.
Auch für das Fühlen und Ausleben von Emotionen benötigen wir das Unbewusste. Die unwillkürliche Anpassung unserer Köperhaltung, unserer Mimik, das Einschiessen von Tränen und eine schnelle Flucht, wären unmöglich alle zur gleichen Zeit vom Bewusstsein zu bewältigen.
Durchdringung, Austausch, Interaktion
Die drei Bereiche sind also nicht gegeneinander abgeschirmt. Die Grenzen sind fließend und durchlässig. Richten wir unser Bewusstsein auf etwas, dass bis zu diesem Moment im Unterbewusstsein oder Unbewussten schlummerte, gelangt dies an die Oberfläche, kann vom Bewusstsein bearbeitet und verändert werden, um dann wieder hinab zu sinken.
Ein im Unterbewusstsein gespeichertes Ereignis, das mit Emotionen verknüpft ist, die den Fluchtreflex auslösen, kann dazu führen, dass der Betreffende in einer alltäglichen Situation völlig unangemessen reagiert. Dies ist nicht nur für seine Umwelt unerklärlich, auch derjenige selbst verurteilt sich auf der Ebene seines Bewusstseins dafür. Selbst wenn er den Willen hat, dies zu verändern, kommt er möglicherweise nicht damit voran. Die Ursache dafür könnte ein im Unterbewusstsein verankerter Glaubenssatz sein, der die Bemühungen stets effektiv sabotiert.
Auch Glücksgefühle können uns unerklärlicherweise plötzlich überkommen und regelrecht überwältigen, ohne dass ein erkennbarer Anlass besteht. Verantwortlich kann hierfür ein im Unterbewusstsein gesetzter Anker sein, der ebenso zuverlässig funktioniert, wie die oben beschriebenen Beispiele. Gern wird dies von der Werbebranche genutzt, in dem positiv besetzte Erinnerungen, z.B. an das Bonbon, das es bei Oma oder Opa immer gab, wachgerufen werden.
Entscheidend ist also, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf Ereignisse, Emotionen, Verhaltensweise etc. richten, die wir verändern oder steuern möchten. Achtsamkeit im Umgang mit uns selbst ermöglicht es uns, Schöpfer unseres Lebens zu sein und die von uns angestrebten Ziele zu erreichen. Wichtig ist dabei die wertschätzende Kommunikation zwischen Bewusstsein, Unterbewusstsein und Unbewusstem.
Kollektives Bewusstsein, Unterbewusstsein, Unbewusstes
Gibt es kollektives Bewusstsein, Unterbewusstsein, Unbewusstes? Wie entsteht es? Welchen Einfluss hat es auf den Einzelnen? Ist es gleichfalls steuerbar?
kollektives Bewusstsein
Sobald sich zwei Menschen oder mehr treffen und mit einander austauschen, sei es im Gespräch oder schriftlich, entsteht kollektives Bewusstsein. Bewusst mit Worten oder Handlungen werden Dinge in Gang gesetzt, gemeinsame Erfahrungen gesammelt und Ideen materialisiert.
kollektives Unterbewusstsein
Auch auf der Ebene des Unterbewusstseins beginnt sofort ein reger Austausch, wenn Menschen aufeinander treffen und miteinander agieren. Hier kommen typische Aussagen wie: „Ich habe das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen, obwohl die Personen sich soeben erst kennen gelernt haben. Eine Person nicht riechen zu können oder der Wunsch, schnell das Weite zu suchen, obwohl diese von allen anderen als sehr sympathisch empfunden wird, hat seinen Ursache in unterbewussten Mustern, derer sich die Betreffenden bedienen.
Für die auf der bewussten Ebene gemeinsam gemachten Erfahrungen wird ein kollektives Unterbewusstsein der Gruppe angelegt. Bleibt diese Gruppe von Menschen über einen längern Zeitraum miteinander verbunden und gibt es eine Vielzahl von gemeinsamen Erlebnissen, Handlungen oder Zielen, beginnen die Mitglieder dieser Gruppe, für den entsprechende Bereich ein kollektives Feld zu bilden, auf das sowohl Bewusstsein und als auch das Unterbewusstsein des Einzelnen zugreifen können.
Möglicherweise verankern sich diese Ereignisse usw. auch im Unterbewusstsein des Einzelnen. Dies wird allerdings unterschiedliche Intensitäten haben, die vom persönlichen Glaubenssystem und bereits vorhandenen Wiederholungen des Einzelnen abhängen.
Stellen wir uns diese Menschengruppe als Organismus vor, so nimmt das kollektive Unterbewusstsein jetzt Einfluss auf künftige Handlungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Wichtig ist auch der Einfluss, den dieses kollektive Unterbewusstsein auf das Bewusstsein dieser Gruppe hat.
Kollektives Unbewusstes
Auch Unbewusstes können Menschen miteinander teilen. Hier handelt sich allerdings eher um archaische Erfahrungen, etwa den kollektiven Aufschrei in einer Schrecksituation, der sowohl dem Abbau von Spannung als auch der Warnung der Gruppenmitglieder vor der Gefahr dient. Auch die Schaukelbewegung und das Angleichen der Atemfrequenz, in die gemeinsam Meditierende verfallen, ist Ausdruck eines gemeinsamen Schwingens auf der unbewussten Ebene.
Durchdringung, Austausch, Interaktion auf der kollektiven Ebene
So wie diese Bereiche bei einem Menschen durchlässig sind, sind sie es auch bei Gruppen. Ein auf der kollektiven Ebene bewusst erlebtes Ereignis, das im kollektiven Unterbewusstsein als Erfolg gespeichert wurde, kann aus dieser Gruppe das „Winning Team“ machen, obwohl technisches Können oder Wissen eher dem Durchschnitt entsprechen. Andererseits kann ein als Trauma gespeichertes Ereignis für künftige Tätigkeiten dieser Gruppe hinderlich oder sogar destruktiv sein.
Auch Einzelne, die neu zur Gruppe hinzu kommen, können sich möglicherweise dem Einfluss dieses kollektiven Traumas nicht entziehen, obwohl sie dieses selbst nie erlebt haben. Bleibt dieser Mechanismus unbewusst, passt sich der Betreffende entweder der Schwingung der Gruppe an, was wiederum einen Anker in seinem eigenen Unterbewusstsein setzt oder er verlässt diese Gruppe wieder, weil er sich unwohl fühlt.
Will die Gruppe diese hinderliche Verhaltensweise o.ä. ablegen, gilt es die kollektive Aufmerksamkeit hierauf auszurichten und entsprechende Veränderungen in Gang zu setzen.
